Tanztherapie für Alef
Donnerstag, 19. Januar 2012

Unser Engagement: Die 12-jährige Alef* aus Hamburg zeigt ein auffälliges Sozialverhalten und drohte mit Suizid. Von ihrer Betreuerin des Jugendamtes wurden wir mit der Bitte um Therapieunterstützung kontaktiert. Zum Therapieangebot unserer Hamburger Musiktherapeutin Judith Sonntag gehört die sogenannte Tanztherapie, welche Alef zu einem besseren Körperbewusstsein verhelfen soll.

Über Alef (Bericht von Judith Sonntag): Alef* ist 12 Jahre alt, sie lebt gemeinsam mit ihren Eltern und beiden Geschwistern. Alef zeigt in der Schule ein auffälliges Sozialverhalten, sie ist aggressiv und hat oft Reibereien mit ihren Mitschülern. Im vergangenen Jahr äußert Alef gegenüber ihrer Lehrerin, dass sie nicht mehr leben möchte. Seither wird sie seitens des Jugendamtes unterstützt und hat eine Betreuerin. Alef öffnet sich nur zum Teil gegenüber der Betreuerin, auch eine installierte Gesprächstherapie nimmt sie nicht mehr in Anspruch. Alef findet sich zu dick und möchte abnehmen. Ihre Gedanken drehen sich darum, wie sie ihre vermeintlichen Kilos loswerden kann. Sie wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich im Wachstum befindet und auf eine gesunde Ernährung achten müsse und auch im gesunden Rahmen Sport treiben könne. Auch der Hinweis, dass sie keineswegs zu dick ist, nimmt sie nicht wahr. Beim Betrachten ihres Körpers schaut sie bevorzugt auf ihre „negativen“ Körperteile (sie habe einen dicken Bauch). Sie bewertet sich insgesamt als negativ. Der Betreuerin erzählt sie, dass sie viel isst und sich heimlich nachts übergibt. Es zeigen sich Symptome eines gestörten Essverhaltens und ein gestörtes Körperbild. Alef hat kein hohes Selbstwertgefühl und ein geringes Selbstbewusstsein. Sie glaubt nicht, dass sie etwas gut könne, sie betrachtet sich sehr geringschätzig. Durch die Tanztherapie soll Alef die Möglichkeit bekommen, sich auf nonverbalem Wege auszudrücken. Hier gibt es die Möglichkeit, etwas von sich zu zeigen, was sie gut kann: schwierige Figuren aus dem Bereich des Breakdance zum Beispiel. Da Alef seelisch bedingte Schwierigkeiten bzw. Störungen im Erleben, Verhalten und auch im körperlichen Bereich zeigt, eignet sich eine Tanztherapie unter Einbeziehung weiterer kreativer Medien wie der Möglichkeit zu Malen oder sich auf Instrumenten auszudrücken, besonders gut. Auch wenn ihr nicht immer klar ist, was wir hier tun, macht sie doch alles selbstverständlich mit und ganz wie nebenbei öffnet sie sich der Therapeutin gegenüber und vertraut ihr Sorgen und Nöte an, die sie beschäftigen.

 

******** Abschlussbericht vom 9. März 2012 *********

Alef hat dank der Unterstützung von Helenes Helfern vier Monate Einzeltanztherapie bei Judith Sonntag erhalten. Die Therapie wurde nun auf Alefs Wunsch hin in Absprache mit den Eltern, der Psychologin, der Lehrerin und der Betreuerin beendet. In den insgesamt dreizehn Stunden hat sie sich mit verschiedenen Themen konstruktiv auseinandersetzt: Was macht mich als Mädchen/Jugendliche aus? Wer bin ich? Welche Geheimnisse teile ich mit meinen Freundinnen? Was gebe ich von mir bei facebook preis? Wie verhalte ich mich Jungs gegenüber? Im Mittelpunkt stand das eigene Erleben und immer wieder die Frage, ob ihre Gefühle „richtig“ sind. Die Unsicherheit der eigenen Person und anderen Menschen gegenüber wurde immer wieder deutlich. Die Feststellung „Ich kenne mich nicht (mehr) aus“ wurde kreativ genutzt und in den Tanztherapeutischen Prozess mit eingearbeitet: Wo hier im Therapieraum fühlst du dich wohl? Wo fühlst du dich unwohl? Was macht das Wohl, bzw. Unwohlsein aus? Wo gibt es im wahren Leben Räume für die immer mehr im Fokus stehende eigene Intimsphäre? Wie kannst du gut für dich sorgen?

Alef hat viel Aufmerksamkeit bekommen seit sie im vergangenen Jahr in der Schule auffällig wurde. Dies ist als eine Art Hilferuf zu verstehen, der ein großes Echo erzeugte: Die Eltern horchten auf, das Jugendamt, die Jugendhilfe in Form einer Betreuerin, die Klassenlehrerin und die Rektorin sowie eine niedergelassene Psychologin und die Musiktherapeutin Judith Sonntag waren plötzlich alle für Alef da. Sie hat ein breites Hilfsangebot bekommen und dieses auch nutzen können. Die Probleme mit den anderen Kindern in der Grundschule gibt es derzeit nicht mehr und zum neuen Schuljahr wechselt Alef auf die Gesamtschule. Zur Vorbereitung darauf wird sie in den kommenden drei Monaten an einem sozialen Kompetenztraining für Mädchen und Jungen in ihrem Alter in der Kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis, in der auch die Psychologin ansässig ist, teil. Sowohl die Tanztherapie als auch die Gespräche mit der Psychologin hören nun auf, die Termine mit der Betreuerin werden in weiter gesteckten Zeitabständen stattfinden. Beim Abschied wurde vonseiten der Therapeutin nochmals deutlich gemacht, dass sie sich jederzeit melden kann.

Für den weiteren Lebensweg wünschen wir Alef alles Gute.

 

 

*Name geändert.