Liftersystem für Juval
Sonntag, 22. April 2012

Juval ist 17 Jahre jung und seit seiner Geburt geistig und körperliche schwerstmehrfach behindert. Nach einer schweren Krise musste die Wohnung der Familie an besondere pflegerische Erfordernisse angepasst werden. Zudem musste ein Liftersystem angeschafft werden, dessen Kosten die Krankenkasse nur deutlich beschränkt übernahm. Dank dem Intensivpflegedienst Gänseblümchen haben wir von Juval erfahren. Helenes Helfer e.V. übernahm die den Kassenbeitrag übersteigenden Kosten für das Liftersystem.

Im folgenden ein bewegender Text von Juval und seiner Mutter, für den wir uns ganz ganz herzlich bedanken!

Möchte mich mal kurz vorstellen, ich heiße Juval Rian Orlando, wohl waren meine Eltern sich nicht so sicher, was zu mir passt und haben diesen „königlichen Namen“ ausgesucht... (ein kleiner Prinz bin ich ja schon!!!)... irgendwann erfuhr ich, dass meine Mutter der Meinung war, dass ich ein Mädchen werde, deshalb schlummerte der Name Rian in ihrem Herzen, Orlando war die Idee von Papa... so ein richtiger Jungennamen... doch meine Mum sah mich und ihr viel Juval ein... weil ich wohl nach meiner Geburt so hell und klar war wie ein Juwel?

Inzwischen wissen wir auch alle, das dieser Namen eine große Bedeutung hat: „Ein kleiner Bach wird zum reisenden Strom"...Wow... habe ich bereits schon oft unter Beweis gestellt. Geboren bin ich unter dem Sternzeichen des Löwen (bin ich auch). Ich habe einen älteren Bruder, den ich sehr bewundere und liebe (er mich auch). Er hat so viel Talente... und das größte Talent ist, das er an mich glaubt und nie aufgehört hat, an mich und meinen Lebenswillen zu glauben... und ich muss euch sagen, es war schon oft knapp. Es reichen mir ein paar Klänge aus seiner Gitarre oder die tiefe Bassstimme wenn er seine Lieder trällert... und ich fühle mich in Sicherheit. Er ist und war schon immer mein bester Therapeut! Was ich auch toll finde, ist, dass er sich total darüber aufregt, wenn mir mal wieder jemand ein Babyschnickschnack schenkt... Mensch, ich werde schließlich in diesem Jahr auch schon 18! Sorry, ich finde es ja toll Geschenke zu bekommen und ich weiß, das es schwer ist meine Wünsche zu erraten! Meine größten Wünsche sind: Geschichten vorgelesen bekommen, gemeinsam Musik hören, spazieren gehen... einfach Zeit mit mir verbringen! Übrigens, meine Mum schreibt gerade diesen Text, sie liest mir die Worte von den Augen ab, da ich nicht schreiben, lesen, sprechen kann...

Mein Leben hat schon viele Auf und Abs gehabt... war schon von Geburt an ein sogenanntes schwerst- mehrfach- behindertes Kind... ach, wie ich diese Schublade hasse... glücklicherweise hassen meine Eltern diese Schublade auch... so dass ich niemals in Watte eingepackt wurde, überall dabei war, fröhlich sein durfte, mich immer geliebt fühle. Habe fast jeden Film im Kino mit angesehen, die anderen Kinobesucher mussten es ertragen, dass ich laut lachte bei Szenen, die eher gefährlich waren und plapperte, wenn die Spannung am Größten war. An Konzerten sang ich immer mit, ich fand es angemessen... andere wohl nicht, meinen Eltern war das nicht peinlich, sie sind immer stolz auf mich! Irgendwann mal wurde alles etwas trauriger zu Hause, es hat ein wenig gedauert, bis ich begriff, dass mein großer Bruder ernsthaft erkrankte. Ein Kampf begann, nun war sein Leben, seine Zukunft auf der Waagschale! Doch das Leben hat gesiegt... nun muss er nur noch alle ½ Jahre zur Nachuntersuchung, alles okay (an diesem Moment schlägt man eigentlich 3 mal auf Holz... kannst du das für mich tun? Ich bin nämlich gelähmt, seit einem schwerwiegenden Ereignis am 17.Februar 2010)! Es fällt meiner Mutter gerade schwer, die Worte aus meinen Augen zu lesen und dennoch versucht sie es:

Es ging mir nicht gut, hatte an einem Moment Fieber, am anderen nicht... der Kinderarzt stellte eine nicht so bedrohende Diagnose... und dann, der schreckliche Moment, ich trank, war zu schwach um zu schlucken... und bekam den Tee in die Lunge... mein Körper flippte aus, bekam keine Luft... mein Herz blieb stehen.... Glücklicherweise haben alle schnell reagiert, die Feuerwehr war in wenigen Minuten da... im Krankenhaus versetzte man mich ins künstliche Koma (Kältekoma)... mein Lebenskampf begann. Inzwischen sind über 2 Jahre vergangen, es ist viel geschehen, ich habe überlebt, aber ständig wieder Krisen, mein Lächeln ist nicht mehr so, wie es mal war, ich liege viel im Bett, kann leider nicht mehr essen und werde künstlich ernährt, seit 1 Jahr habe ich auch ein Tracheostoma... kürzlich wurde ich operiert, weil sich ein Gewächs in meiner Luftröhre gebildet hat... alles ist gut gegangen. Nun bin ich wieder zu hause, habe meine Lieben um mich herum... okay, meine Mutter nervt manchmal, mit ihrem ständigen Getätschel... hätte ich es nicht, würde ich es sicherlich vermissen. ½ Jahr musste ich in einem Pflegeheim leben (nach der ersten Erholung nach dem Herzstillstand)... bis die Wohnung umgebaut war und ein tolles Pflegeteam für mich gefunden wurde, die Gänseblümchen!

Da es mir jetzt auch wieder etwas besser geht, hoffe ich, auch bald wieder in die Schule zu dürfen, ich vermisse meine Kumpels! Werde gut versorgt und habe schon kräftig zugenommen... so dass meine Mum einen Lifter beantragt hat, sie kann mich gar nicht mehr alleine heben, auch die Schwestern haben ihre Mühe (geht nur noch zu zweit)... und wie es manchmal so ist, wurde der Lifter nur zu einem Teil von der Krankenkasse finanziert, den Rest sollte meine Mutter finanzieren... von was denn? Hat sie nicht erst die Wohnung umgebaut und ist jobmäßig etwas zurück getreten, damit sie mehr Zeit für mich hat? Wenn da nicht die Helenes Helfer wären... danke für die Unterstützung und die Übernahme der Finanzen... dank euch kann ich über dem Boden schweben, mühelos in den Rolli flutschen, ins Bad geschoben werden und sogar baden kann ich wieder! Ist schon ´ne tolle Sache!

Ich weiß nicht, wer alles mir geholfen hat, wie die Spender heißen, so bleibt mir nur „Danke“ zu sagen. Es ist echt eine Bereicherung, mein Leben nicht nur vom Bett aus zu betrachten und den Unterschied zwischen Tag und Nacht zu vergessen!

Habe das Schaukeln im Liftertuch entdeckt (ich verspreche, übertreiben werde ich es nicht Herr Mechaniker).. Jetzt kann ich schnell mal in den Rolli und die ersten Sonnenstrahlen draußen im Garten genießen.

Denn es ist Frühling geworden!!!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 22. April 2012