Musiktherapie für Seyma
Montag, 28. Juli 2014

Seit Juli 2013 unterstützen wir die mittlerweile 3-jährige Seyma im Hamburger Theodorus Tages-Kinder-Hospiz. Unsere Musiktherapeuting Mirjam erzählt:

"Seyma ist eine kleine Person mit ausdrucksstarker Mimik. Besonders beeindruckend ist ihr Blick, wenn sie schlecht gelaunt ist; es ist aber auch immer wieder eine Freude, wenn ihr der Schalk aus den Augen blitzt. Mittlerweile ist Seyma drei Jahre alt und lebt zusammen mit ihren älteren Geschwistern und ihren Eltern. Aufgrund einer Stoffwechselerkrankung ist ihre Entwicklung umfassend beeinträchtigt. Die erste Begegnung zwischen ihr und der Musiktherapeutin Mirjam Blümel fand im Juli 2013 statt. Sie zeigte währenddessen deutliche Reaktionen auf verschiedene Klänge. Vor allem gefielen ihr die Gitarre, Klangstäbe und das Glockenspiel. Im Verlauf der Therapie entwickelten sich dann folgende Schwerpunkte: Körperwahrnehmung bzw. taktile Stimulation, dialogisierende Elemente und Kontaktanbahnung bzw. Entspannung durch Atemsynkronisation.

Seit dem Frühjahr 2014 findet die Musiktherapie wöchentlich statt, was die therapeutische Beziehung, im Vergleich zu den vorher unregelmäßigen Abständen, deutlich intensiver gemacht hat. Ab und zu kommt es vor, dass sie aufgrund von Unwohlsein die Begleitung einer Kinderkrankenschwester benötigt. Der enge körperliche Kontakt ist dann eine wichtige Komponente, um ihr Befinden zu verbessern. Ansonsten liegt sie gebettet in ein Stillkissen auf der Klangwiege oder dem Klangbett. Bei ersterem gibt es auf der einen Seite die Saiten eines Monochords. Zupft man sie an, gerät der Holzkorpus in Schwingung, die dann deutlich spürbar ist. Seyma genießt das immer wieder, vor allem wenn die Therapeutin dazu singt. Passen sich die Klänge ihrem Atemrhythmus an, entsteht intensiver Kontakt und sie kann sich entspannen. Ein weiteres Element der Therapie ist die Körperwahrnehmung. Meist werden zu Beginn ihre Gliedmaßen einzeln durch streicheln oder sanftes klopfen begrüßt. Im Anschluss daran wird das Lied „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“ gesungen und ihre Füße dazu im Rhythmus bewegt. Ihr selbst ist es nicht möglich Arme und Beine willkürlich zu bewegen. Je nach Stimmung, macht ihr das Lied viel Spaß und sie lächelt oder lacht dazu. Alternativ wird „Summ, summ, summ“ gesungen, was etwas ruhiger ist. Gerade in Stunden, in denen sie geplagt ist von unwillkürlichen Muskelzuckungen, kommen neben dem Monochord die Klangschalen zum Einsatz. Auch sie haben spürbare Vibrationen und wirken besonders intensiv, wenn sie auf den Körper aufgelegt werden. Neben ihrer Mimik äußert sich Seyma durch lautieren, schmatzen oder knurren. Dies wird von der Therapeutin entweder durch Imitation oder durch Instrumentalspiel beantwortet. So entstehen kurze Dialoge. Eine längere „Unterhaltung“ ist Seyma bisher nicht möglich gewesen. Es ist zu hoffen, dass im weiteren Verlauf die therapeutische Beziehung tragfähiger wird und Seyma weiterhin von der Musiktherapie profitieren kann."