Musiktherapie für Manuela (8 Jahre) bei Dunkelziffer
Dienstag, 08. Juni 2010

"Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann
und worüber zu schweigen unmöglich ist."
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Unser Engagement: Die 8-jährige Manuela** aus Hamburg wurde von einem Freund der Familie missbraucht. Seit zwei Monaten wird sie nun mit diesem schweren Schicksal bei Dunkelziffer in Hamburg betreut. Schnell war für die Dunkelziffer Beraterin klar, dass Manuela in der Musiktherapie betreut werden soll, da die Therapeutin über die Musik einen sehr guten Zugang zu Manuela finden kann. Helenes Helfer e.V. hat sich entschlossen, Manuelas Musiktherapie bei Dunkelziffer für das folgende Jahr zu finanzieren. Die Kosten liegen bei ca. 375,- Euro monatlich.

Im April 2010 waren Helenes Helfer das erste Mal bei Dunkelziffer e.V. in Hamburg. Seitdem halten wir regen Kontakt. Mit viel Geduld hat uns die Geschäftsführerin Frau Falck die Therapieräume gezeigt und uns ausführlich die Arbeitsweise und Hintergründe der Musiktherapie und des Vereins erläutert. Manuelas Musiktherapeutin wird uns regelmäßig über den Fortschritt der Therapie informieren und den weiteren Bedarf beurteilen. Wir möchten Manuela eine langfristige und verlässliche Musiktherapie ermöglichen, um ihr und ihrer Familie so ein Stück Sicherheit zurück zu geben. Wir wünschen ihr, eine Zukunft, in der sie lernt, trotz ihres Schicksals wieder die Lebensfreude eines kleinen Mädchens in ihrem Alter zu erfahren.

Zum Thema Musiktherapie bei sexuell missbrauchten Kindern: Sexueller Missbrauch führt bei jedem betroffenen Kind zu seelischen Verletzungen. Das traumatisierte Kind braucht Hilfe, um seine Erlebnisse und die damit unweigerlich verbundenen Gefühle wie Ohnmacht, Angst, Wut und Scham zu bewältigen. Nur ein therapeutisch begleiteter Neuanfang kann helfen, den Umgang mit den lebensbegleitenden Folgen des nie gänzlich heilbaren Traumas zu erlernen.

Jeder von uns hat selbst schon einmal erlebt wie wohltuend sich Musik auf den Körper und auf unsere Stimmung auswirken kann. Musiktherapie beinhaltet gemeinsames Musizieren auf verschiedenen Instrumenten, Ausprobieren der eigenen Stimme, gemeinsames Musikhören, Malen oder Bewegen nach Musik und das Gespräch über die Gefühle und Bilder, die beim Hören und Musizieren entstehen. Dabei ist es nicht notwendig ein Instrument spielen zu können!

Wie positiv sich die Musiktherapie bei sexuell missbrauchten Kindern auswirken kann, ist in der Publikation „Der Schrecken wird hörbar – Musiktherapie für sexuell missbrauchte Kinder“ (Hans-Helmut Decker-Voigt (Hg), ERES edition 2434, 2005) eindrücklich anhand zahlreicher Fallbeispiele beschrieben. In unserem ausführlichen persönlichen Gespräch mit Frau Vera Falck (Geschäftsführerin von Dunkelziffer) konnten wir einen intensiven (für uns auch sehr erschütternden) Eindruck der Situation gewinnen, in der sich missbrauchte Kinder befinden. Erfahrungsgemäß fällt es den Kindern schwer, über die Dinge, die ihnen angetan wurden, zu sprechen. Da bietet die Musiktherapie eine besondere Möglichkeit, Zugang zu den Kindern zu finden. Instrumente bieten dem Kind Raum, sich spielend auszudrücken und Vertrauen zu gewinnen. Nach nur wenigen Monaten können aus den verängstigten, traumatisierten, schweigenden Kleinen, lebendige Kinder werden, die ihre Lebensfreude wieder entdecken.

Die musiktherapeutische Betreuung über einen langfristigen Zeitraum hilft Kindern, die sexuelle Gewalt erleben mussten, bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse. Grundlage der Therapie ist dabei der Aufbau und das Erleben einer vertrauensvollen Beziehung, wobei das soziale Umfeld – soweit möglich – einbezogen werden soll. Im Rahmen dieser Therapie werden die Kinder in wöchentlichen Einzelsitzungen von einer Musiktherapeutin betreut. Eine Therapie dauert in der Regel ca. zwei bis drei Jahre. Die Kosten pro Jahr liegen bei ca. 4.500 € pro Kind.

Update 22. August 2011 von Manuelas Musiktherapeutin:

Manuelas Musiktherapie konnte im Sommer erfolgreich abgeschlossen werden. Einige Einblicke lieferte uns nun die Musiktherapeutin:

"Bereits nach kurzer Zeit in der Musiktherapie zeigten sich bei der achtjährigen Manuela erste Therapieerfolge. So überwand sie recht schnell ihre anfängliche Schüchternheit und fasste wieder Vertrauen zu sich und ihrer Umwelt. Besonders viel Freude machte ihr das Spiel auf dem Metallophon. Immer wieder spielten sie und die Therapeutin die Töne von „Bruder Jakob“, das war ihr Lieblingslied. Dieses Lied und das wiederholte Spielen ihr bekannter Kinderlieder gaben ihr zunehmend Sicherheit und Selbstvertrauen. Als weiteres Lieblingsinstrument entdeckte sie das Akkordeon, dem sie Töne in der hohen und in der tiefen Lage entlockte. Die hohen Töne bedeuteten für sie Themen von Zartheit und Verletzlichkeit, während die Basstöne mit Gefühlen von Bedrohung und Angst verbunden waren. Die Musiktherapeutin unterstützte ihr gefühlvolles Spiel durch ganz regelmäßiges Congaspiel, dass Manuela tänzerisch begleitete. Manuela konnte so mit Hilfe der Musik und der Beziehung zur Therapeutin an ihren inneren Verletzungen arbeiten und sich ihre Fähigkeit, stark zu sein, im Laufe der Therapie zurück erobern. Am besten gefiel Manuela, dass ihre Mutter begonnen hatte, ihr zuzuhören und sie sich mit ihren Sorgen ernst genommen fühlte. Sie hatte sich damals, als der Freund der Familie sie heimlich im Genitalbereich angefasst hatte, sehr einsam und verloren gefühlt. Mit kräftigem Getrommel und der Fähigkeit, sich laut bemerkbar zu machen, verabschiedete sich Manuela nun aus der Musiktherapie."

Einblicke in den Musiktherapieraum:

 

Texte: Dunkelziffer e.V. & Helenes Helfer e.V.

* Victor Hugo, in: „Der Schrecken wird hörbar“, Decker-Voigt (Hg), ERES, 2005.
** Name geändert

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