Musiktherapie für Mikail
Samstag, 06. Februar 2016

Die Musiktherapeutin Mirjam Blümel berichtet von ihrer Therapie mit Mikail im Theodorus Kindertageshospiz:

"In der ersten Stunde war Mikail wach und reagierte deutlich auf akustische Reize. Er hielt beim Atmen inne oder atmete leiser, um die gespielten Klänge (Gitarre, Monochord, Klangschale) besser hören zu können. Im weiteren Verlauf der Stunde vertiefte sich seine Atmung durch die in seinem Atemrhythmus gespielte Musik. Als er einmal unruhig wurde, wurde dies ebenso musikalisch abgebildet und der Eindruck entstand bei der Therapeutin, dass Mikail die Verknüpfung wahrnahm.

In den weiteren Stunden befand sich Mikail in einem Halbwach- bzw. Schlafzustand. Dennoch zeigte er minimale Reaktionen auf musikalische Interventionen, wie das Zucken seiner Mundwinkel (in Richtung eines Lächelns) oder wieder das inne halten.

Durchgeführte Interventionen:

  • Begrüßungs- und Abschiedslied
  • das Spielen von Klängen in seinem Atemrhythmus
  • freie Improvisationen auf dem Monochord der Klangwelle (Mikail lag auf dem großen Holzkorpus, der die Schwingungen der Musik am ganzen Körper spürbar macht)
  • Auflegen der Klangschale auf seinen Brustkorb zur Atemvertiefung und Körperwahrnehmung
  • Lieder singen (Bruder Jakob, Wenn ich ein Vöglein wär)
  • Improvisation auf der Kantele (kl. Harfe) und mit der Stimme
  • frei assoziiertes Märchen zu einer Musik

Die Grundstimmung in den Stunden war eine melancholische; die frei improvisierte Musik der Musiktherapeutin war häufig in moll gehalten und durch leise und zarte Klänge charakterisiert. Inwiefern das Mikails eigene Gefühle waren oder eher die seiner nahen Angehörigen ist noch nicht klar zu sagen. Er strahlte eine würdevolle Ruhe aus, in der Leidensdruck bisher nicht wahrzunehmen war. Allerdings steht die therapeutische Beziehung erst am Beginn, insofern dürfen die Aussagen hier nur als erster Eindruck gewertet werden. Die Zielsetzung der Therapeutin war und ist weiterhin das Schaffen einer erwartungsfreien Atmosphäre, in der sich Mikail gehört und verstanden fühlt, was dann die Grundlage bietet für mögliche kommende Interaktionen.