Musiktherapie im Theodorus-Kindertageshospiz
Mittwoch, 26. Juni 2019

Ein Auszug aus dem Bericht über die Musiktherapie in 2018 (alle Namen geändert/anonymisiert):

Andreas, 11 Jahre alt:

"Andreas hat in 2018 regelmäßig ein bis zwei Mal wöchentlich an der Musiktherapie teilgenommen. Oft ist es für ihn schwierig, Entspannung und Ruhe zu finden, da er unter starker Sekretbildung und Myoklonien leidet. Eine Klangmassage aus Klangschalen und Körpertambura hilft ihm, seinen Körper zu spüren. Darüber hinaus sollen die sanften und sich wiederholenden Klänge Geborgenheit und Trost vermitteln. Wenn ihm die Musik gefällt, wendet er den Blick der Musik zu, seufzt tief und seine unkontrollierten Bewegungen werden weniger. Als es Andreas zu schlecht ging, um ins Theodorus transportiert zu werden, war es durch Helenes Helfer möglich, ihn zu Hause zu besuchen und musiktherapeutisch zu begleiten."

Max, 4 Jahre alt:

"In der Musiktherapie kann sich Max wie ein gesundes Kind äußern und entwickeln. Er lautiert zur Musik und lacht und quiekt auf, wenn ihm ein Klang besonders gut gefällt. So entstehen kleine gesungene Lautierdialoge, über Max`Stimmung und Erleben. Auch genießt er Bewegungslieder, zu denen er sich strecken und strampeln kann. Besonders freut es ihn, wenn er merkt, dass seine Körperteile und Bewegungen benannt und besungen werden und er so selbstwirksam Einfluss auf die Musik nehmen kann. Max hat sich im letzten Jahr in großen Schritten entwickelt, so führt sein nun erhöhter Muskeltonus dazu, dass er beginnt zielgerichtet nach Instrumenten zu greifen, diese zu erkunden und klingen zu lassen. Die Musik hilft, Max abzulenken und Ruhe zu schenken."

Lisa, 6 Jahre alt:

"Für die blinde Lisa gibt es in der Musiktherapie stets neues zu entdecken. Neugierig wendet sie ihren Blick der Klangquelle zu und folgt dieser durch den Raum. Auch mit den Händen und der Zunge werden die Instrumente erkundet, zum Klingen gebracht und zu Eigen gemacht. Sie genießt es, von den Auf und Abs ihres Tages zu erzählen und lautiert inzwischen mit einer Vielzahl von Vokalen und Abstimmungen. Eine gesungene Antwort in ihrer "Sprache" löst dabei bei ihr ein freudiges Lachen aus und führt zu Wohlbefinden. Dies zeigt sich bei ihr auch in einem ruhigen, regelmäßigen Puls. Märchenlieder und gesungene Lieder über sie genießt sie und sie bieten ihr Anreize und Orientierung."

Philipp, 4 Jahre alt:

"Philipp präsentiert sich auf den ersten Blick als zurückhaltend und ruhig, dies liegt jedoch daran, dass er nicht von der Musik überspielt werden will. Er genießt es, wenn man ruhig für ihn singt. Dann entspannt sich seine Mimik, er atmet tief und regelmäßig und schenkt einem auch ab und zu ein Lächeln. Manchmal "singt" er auch mit und beginnt zu schmatzen und leise zu lautieren. Der kleine Mann gibt trotz seiner ruhigen Art deutlich an, was ihm gefällt und was nicht. Da er oft unter Übelkeit leidet, dient die Musik dazu, ihn abzulenken, Entspannung zu verschaffen und im Hier-und-Jetzt Kontakt zu ermöglichen."

 

Oktober 2014:

Unsagbares wird ausgedrückt, bisher Ungehörtes findet Anklang.

Musiktherapie im Theodorus-Kindertageshospiz

Elemente der Musik sind überall zu finden: Ob es die Grundrhythmen des Lebens sind - der Herzschlag und die Atmung - , das melodiöse Lallen eines Säuglings oder ein älterer Mann, der vergnügt vor sich hin pfeift; in alldem zeigt sich, dass unser Menschsein nicht von Musik zu trennen ist. Sie verbindet uns mit unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte, mit vertrauten Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühlen.

Musik spendet Nähe, Trost und Wärme, stärkt unsere emotionalen Ressourcen und hilft, Ängste und Einsamkeitsgefühle zu lindern. Aus diesem Grund ist der Einsatz von Musiktherapie in der Arbeit mit lebensverkürzt erkrankten Kindern und Jugendlichen, bei denen oft existenzielle Fragen im Vordergrund stehen, besonders sinnvoll. Selbstverständlich sind wir nicht nur Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen, sondern auch für deren Familien. Vor allem dort, wo Sprache an ihre Grenzen stößt, gelingt es in der Musiktherapie, Gefühle und Stimmungen auszudrücken, miteinander in Beziehung zu treten und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu gestalten, in der Halt gefunden werden kann.

Mit Offenheit für Begegnung besuchen wir die Kinder und Jugendlichen im Theodorus- Kindertageshospiz. In dem lichtdurchfluteten, gut ausgestatteten Musiktherapieraum finden die Therapien in der Regel einmal wöchentlich mit einer der beiden Diplom- Musiktherapeutinnen Judith Sonntag und Mirjam Blümel statt. Finanziert werden die Therapien über den Verein Helenes Helfer e.V. und den Träger Pflegewerk Berlin. In der Musiktherapie kommen neben der Gesangsstimme, dem körpereigenen Instrument, die Gitarre, das Klavier sowie verschiedene Rhythmus-, Melodie- und Klanginstrumente zum Einsatz, die allesamt ohne Vorkenntnisse spielbar sind. Besonders Instrumente, wie das Klangbett, die Klangwelle oder die Klangschale, haben sich in der musiktherapeutischen Behandlung dieser Kinder und Jugendlichen bewährt, da die Musik nicht nur hörbar, sondern deutlich im körperlichen Erleben spürbar ist. Sich immer wieder neu auf das Gegenüber und die entstehende Atmosphäre einzulassen, sehen wir als Grundlage jedes therapeutischen Prozesses. Die Musik ist dabei unser Werkzeug. So gestaltet sich die gemeinsame Zeit immer wieder individuell und einmalig.

Judith Sonntag

Mirjam Blümel