Musiktherape für Emma und Maria
Mittwoch, 20. November 2013

Seit Juli 2013 unterstützen wir die Zwillinge Emma und Maria mittels einer Musiktherapie in unregelmäßigen Abständen im Theodorus Kinder-Tageshospiz (ehemals KinderLeben). Unsere Musikterapeuten Mirjam Blümel und Judith Sonntag berichten uns regelmäßig:

Die Bindung zwischen Zwillingen ist gerade am Anfang des Lebens sehr eng; die Zeit im Mutterleib und sicher die ersten 1-2 Lebensjahre, in der eine intensive Betreuung vonnöten ist, werden gemeinsam verbracht. Danach, wenn Kinder im Regelfall autonomer werden, besteht zumindest die Möglichkeit, dass eigene Wege gegangen werden können. Bei Emma und Maria ist das nicht der Fall. Zu früh geboren, sind die jetzt 10jährigen Mädchen stark eingeschränkt durch eine Zerebralparese. Maria leidet zusätzlich unter einer Epilepsie und beide sind blind. Aufgrund dessen sind sie sehr empfänglich für akustische Reize, was im Negativen eine starke Schreckhaftigkeit bedeutet und im Positiven eine große Sensibilität für Atmosphären.

Die meiste Zeit werden Emma und Maria gemeinsam betreut. Dies hat einen Vorteil, nämlich dass sie immer einander haben, aber auch den Nachteil, dass sie oft nicht als Individuum wahrgenommen werden, sondern stets im Vergleich zu der anderen. Aus diesem Grund wurde nach einer ersten Musiktherapiestunde zu dritt beschlossen, dass sie getrennt in die Therapie kommen, und hier auch einzeln vorgestellt werden sollen. Es wird versucht, vergleichende Beschreibungen außen vor zu lassen.

Emma lag in den letzten Stunden gerne auf der Klangwiege. Auf der einen Seite sind dort Saiten eines Monochords und auf der anderen eine Schlitztrommel. Spielt man darauf, beginnt der Holzkorpus zu vibrieren und überträgt das auf die darauf liegende Person. Emma ist so ein zartes Mädchen, dass man die Vibrationen spüren kann, legt man seine Hand auf ihre Schulter. Ihr scheint dieses körperliche Erfahren der Musik zu gefallen. Wenn ihr Lieder vorgesungen werden, lauscht sie sehr aufmerksam und manchmal gibt sie Laute von sich. Diese werden von der Therapeutin aufgegriffen und erwidert. Auffällig ist bei Emma, dass sie ihre Aufmerksamkeit sofort ihrer Schwester zuwendet, wenn sie ihre Stimme hört. Einmal weinte Maria und sie schien sich dann sehr um sie zu sorgen. In den nächsten Stunden soll es Emma weiterhin ermöglicht werden, Entspannung und Wohlbefinden zu erleben und außerdem dialogische Erfahrungen zu sammeln.

Maria war von Anfang an sehr offen gegenüber der Therapeutin und der ungewohnten Situation und lachte sehr viel. Stimmliche Äußerungen, meist ein kurzer Ton oder zwei hintereinander, führen regelmäßig zu vokalen Improvisationen. Oft über mehrere Minuten hinweg „sagt“ Maria etwas und die Therapeutin antwortet in ähnlicher Weise, evtl. begleitet von einem Instrument, wie der Gitarre oder einem Glockenspiel. Zweimal wurde sie auf die Klangwiege gelegt, aber beide Male begann sie sofort heftig zu weinen – das ist also nicht ihr Fall. Bei Klangschalen ist es ebenfalls mehr der Klang, als die Vibrationen, die ihr zusagen. Bei den verschiedenen Instrumenten und Liedern, die ihr vorgespielt werden, hört sie immer aufmerksam zu. Im Ausblick auf die kommenden Stunden wird der stimmliche Dialog weiter eine zentrale Rolle spielen und eventuell werden ihr durch geführtes Instrumentalspiel Erfahrungen der Urheberschaft möglich sein.