Musiktherapie für Ben
Dienstag, 25. Januar 2011

Die Musiktherapie für Ben begann Ende Dezember 2010 durch unseren Musiktherapeuten:

Der 2005 in Berlin geborene Ben erlitt im Alter von 2 Jahren einen Ertrinkungsunfall und ist seitdem ein Wachkomakind mit Sauerstoffbedarf und stark epileptischen Anfällen. Er stabilisierte sich zunächst gut, kämpft je doch mittlerweile zunehmend mit Lungenentzündungen, sein Allgemeinzustand verschlechtert sich zusehends.

Ben wird täglich 16 Stunden im Früh- und Spätdienst durch den Intensivpflegedienst Kleine Strolche versorgt. Krankenschwestern begleiten ihn in die Kita und im Alltag - vom Shoppen mit Mama bis zum Besuch des Weihnachtsmarktes ist alles dabei.

Ben konnte mit Musik bereits gute Erfahrungen sammeln, wir wünschen uns, ihm durch diese Therapie schöne Moment schenken zu können.

 

Update 07. Mai 2011 von unserem Musiktherapeuten:

"Ben hatte im April 2007 einen schweren Ertrinkungsunfall. Beim Versuch die Blumen zu gießen, fiel er in einen Pool. Der Notarzt konnte Ben erfolgreich reanimieren. Auf der Intensivstation rangen Ärzte und Schwestern weiter um sein Leben. Nach 12 Stunden schlug er das erste Mal seine Augen auf und die Organe übernahmen mehr und mehr ihre Funktionen. I

m März diesen Jahres war Ben erneut in tödlicher Gefahr. Er hatte eine schwere Lungenentzündung infolge einer Aspiration. Ein fastgroßer eitriger Abszess hatte sich im rechten Lungenflügel gebildet und wurde in zwei zweieinhalbstündigen Eingriffen entfernt.

Musiktherapie hatte Ben auch auf der Intensivstation. Das Personal war sehr tolerant. Faszinierend zu erleben, wie sich Bens Pulsfrequenz von etwa 140 durch die Musik auf 90 Schläge pro Minute regulierte. Ben liebt das musikalische Angebot sichtlich. Er lächelt oft schon nach kurzer Zeit. Sein Anfangslied ist “Die Affen rasen durch den Wald” und am Schluss gibt es “Hänsel und Gretel”. Beide Lieder kennt er gut aus der Zeit vor seinem Unfall. Ben lautiert auch gerne. Manchmal scheint es, als singe er mit seinen unverwechselbaren Gurgellauten die zweite Stimme. Ganz besonders glücklich sind wir, wenn sich bei Ben für kurze Momente eine musikalische Interaktion andeutet. Dann scheint er ganz bei uns zu sein, als würde er rufen: “Wollen wir spielen?”.

Bens Familie ist sehr froh, dass der musikalische Zugang bei ihrem Jungen so gut gelingt. Sie bedanken sich herzlichst für das Ermöglichen der Musiktherapie."

Update Oktober 2011 von unserem Musiktherapeuten:

"Ben hat in den vergangenen Monaten einiges überstehen müssen. Das größte Problem ist die unzureichende Funktion seiner Lunge. Gerade einigermaßen erholt von der letzten großen Operation wird er wegen einer Lungenentzündung wieder mit Antibiotika behandelt. Tägliche Beatmung und das Atemtraining sind für ihn enorm wichtig. Dennoch konnte Ben wöchentlich Musiktherapie bekommen. Die Singstimme, der Klang der Gitarre und seit neuestem auch das Monochord sind ihm vertraute Gefährten im Überlebenskampf geworden. Ben kann sich stimmlich entäußern. Wenn er mich bemerkt, scheint es, als versuche er schnell Kontakt mit mir aufzunehmen. Er lässt dann Laute hören, die zu sagen scheinen: „He, geh‘ nicht gleich wieder weg. Sprich mit mir!“ Es ist immer wieder schön zu erleben, wie durch den Einfluss der musikalischen Beziehung die Spastik zeitweise nachlässt und Ben Glücksmomente erlebt. Darüber sind wir alle sehr froh und dankbar."

Update Januar 2012

Die Musiktherapie für Ben verläuft sehr erfolgreich und wurde von uns daher um weitere sechs Monate verlängert. Der Musiktherapeut berichtete im November:

"Ich war zwischenzeitlich ganz verzweifelt, weil seine Atemwegsinfektionen zuzunehmen zu schienen. Sein armer kleiner Oberkörper hat jetzt eine weitere Einpflanzung (ich weiss nicht wie es heisst - es ist ein unter der Haut befindlicher Venenzugang, da seine Venen nicht mehr zuverlässig für Transfusionen etc. funktionieren). Ausserdem hatte er ja schon die Magensonde und die Schmerzmittelpumpe. Er war auch weniger durch die musikalische Ansprache zu erreichen. Jetzt letzte Woche Mittwoch - da war er wieder der alte. Wir konnten zusammen "singen" und er war ganz aufmerksam und fröhlich in der Interaktion. Bens Mutter erwartet Zwillinge. Ein Pärchen. Bens tägliche auswärtige Beschulung wurde abgebrochen. Es bedeutete zu viel Stress für ihn und war seiner Gesundheit letztlich abträglich. Er wird nun immer freitags für eine Stunde zu Hause "beschult". Mir ist Ben sehr ans Herz gewachsen und er hat (neben der Aktivierung der Kinderkrankenschwestern, die alle sehr gute und liebevolle Arbeit machen) keine mit der Musiktherapie vergleichbare Therapie. Diese Therapieform ist für Ben sehr wichtig, weil er über die speziell dargebotenen auditiven Reize, verbunden und abgestimmt mit basaler Stimulation am besten mit seiner Außenwelt in Kontakt treten kann. Das bestetigen mir immer wieder die Krankenschwestern und auch die Mutter. Es wäre sehr wichtig, Ben weitere sechs Monate Musiktherapie durch Helenes Helfer zu ermöglichen."

Update Juli 2012

Die Musiktherapie für Ben ist eines unserer kontinuierlichsten Projekte. Wir sind sehr glücklich über die hervorragende Zusammenarbeit mit unserem Musiktherapeuten Roland und dem herzlichen Kontakt zu Bens Familie. Unser Musiktherapeut berichtete uns kürzlich:

"Benni ist im April sieben Jahre alt geworden. Er ist schon ein großer Junge, das ist nicht zu übersehen. Einmal in der Woche erhält er Schulunterricht. Die Lehrerin lässt sich immer etwas besonderes für ihn einfallen. In der Vorschulzeit musste er häufig gegen Infektionen der Atemwege kämpfen. Doch - toi, toi, toi - seit Ben ein Schulkind ist, widersteht er viel besser den lästigen Angriffen der Viren. Musik ist nach wie vor Bens Leidenschaft. "Hänsel und Gretel" und "Die Affen rasen durch den Wald" sind gute alte Kumpels von ihm. Manchmal spielt er dabei mit mir: Ich vergesse zum Beispiel einen Ton und Ben ergänzt ihn - wenn er mag... Ben hat ein neues Instrument entdeckt: Die Klangschale. Er hat sie zum siebten Geburtstag bekommen. Und ichbringe ebenfalls noch einige Klangschalen mit zu unseren Begegnungen. Er liebt es, sich beim Klang der Schalen zu entspannen. Oft reguliert sich dabei sein Puls und die Spastiken lassen nach. Manchmal begleitet Ben den Klang auch mit seiner Stimme. Aber nicht nur Ben lernt dazu. Auch Ben's Oma lernt - Gitarre. Ja, sie kann schon drei Akkorde: D-Dur, A-Dur und G-Dur. So spielen wir manchmal im Quartett. Die Besetzung: Ben - erste Rassel, die Oma - erste Gitarre, die Kinderkrankenschwester - zweite Rassel und ich - zweite Gitarre. Ben mag "Feten-Stimmung". Oft quittiert er sie mit einem breiten Lächeln. Und noch etwas wunderschönes ist geschehen: Benni hat auf einen Schlag ein Schwesterchen und ein Brüderchen bekommen. Das verspricht noch mehr "Stimmung" im Hause Benni und Familie! Wir gratulieren und wünschen viel Glück und Gesundheit. Es ist schön zu sehen, wie Ben erfüllte Momente erleben kann. Die Familie bedankt sich ganz herzlich für die Zuwendungen und das Möglichmachen der Musiktherapie."

Update April 2013

Herzlichen Dank an unseren Musiktherapeuten Roland für ein weiteres update aus seiner Therapie mit Ben:

"Benni wird im April acht Jahre alt. Sein Unfall ist inzwischen sechs Jahre her. Es ist ganz erstaunlich, wie der jetzt schon recht große Junge sein Leben meistert. Er genießt, wenn es viel „Stimmung“ um ihn herum gibt. Und daran hat er keinen Mangel. Sein Bruder und seine Zwillings-Geschwister sorgen gut dafür. Benni macht zur Zeit einen recht stabilen Eindruck. Er ist sehr aufgeschlossen für die musikalischen Angebote. Auch sieht er mir meine Kapriolen nach, wenn ich ihn wieder mit einem neuen Instrument begrüße, zum Beispiel der Shruti Box, einem Instrument aus Indien, mit einem Klang ähnlich wie ein Akkordeon. Eine große Freude haben wir alle, wenn sich Ben stimmlich entäußert. Es ist immer wieder beglückend zu erleben, wie sich manchmal ein musikalischer Dialog zu entwickeln scheint. Dann ertappe ich mich, Ben zu einer Wiederholung zu drängen - weil es doch so schön wäre, mehr davon zu hören! Aber Ben gibt mir liebevoll zu verstehen: „Sei cool und warte die Zeit ab - dann geschieht es von ganz allein“. Die Familie ist überaus glücklich, dass Ben durch Helenes Helfer eine kontinuierliche Musiktherapie ermöglicht wird. Bennis Mutter ist glücklich, wenn sie sagt: „Wie schön, dass sich Benni auf diese Weise ausdrücken und in Kontakt treten kann!“."

Update Dezember 2013

Aufgrund der weiteren positiven Entwicklung in Bens Musiktherapie verlängern wir diese auch im kommenden Jahr. Unser Musiktherapeut Roland erzählt:

"Ben konnte im letzten halben Jahr eine Menge schöner Erlebnisse genießen. Sein Gesundheitszustand gab ihm die Möglichkeiten dazu. Bei schönem Wetter wurde er viel spazieren gefahren, oder er lümmelte einfach draußen im Garten auf einer bequemen Matte. Die Musiktherapie scheint für ihn einen festen und gewohnten Platz im Alltag der Woche einzunehmen. Er scheint darauf zu bestehen! Wenn ich mich mit der Kinderkrankenschwester über seinen derzeitigen Zustand unterhalte, macht er mit Lauten unmissverständlich deutlich, dass ich doch mit der Musik beginnen möge. Eine besondere Freude – für uns drei – ist es, wenn Krankenschwester Elke Dienst hat. Elke hat selbst einmal Klavier gespielt und liebt das Singen. Unser Trio ist unschlagbar, meinen zumindest wir, die drei Musiker. Ben wurde glücklicherweise im letzten halben Jahr von Infekten weitgehend verschont. Er benötigte seltener eine Beatmung. Leider hat seine direkte Aktivität etwas abgenommen. Er freut sich zwar über die Aktion um ihn herum, ist aber weniger bereit, selbst „mitzumischen“. Aber wir denken, Ben bestimmt selbst, wie er sich ins musikalische Spiel einbringen möchte. Wir machen ihm einfach Angebote, von denen wir glauben, dass sie ihn interessieren könnten. Wir glauben, dass die Zeit kommt, wo Ben den nächsten Entwicklungsschritt angehen wird."

Abschluss-Bericht im November 2014

Im Herbst 2014 haben wir unsere Musiktherapie bei Ben in langer Vorbereitung und nach vielen Gesprächen langsam beendet. Ein paar letzte Zeilen unsere Musiktherapeuten Roland über seine Therapie bei Ben:

"Benni konnte  in den letzten Jahren seinen Zustand verbessern. Die anfangs so häufig auftretenden Infektionskrankheiten sind merklich zurückgegangen. Und wenn es ihn dann doch einmal „erwischt“ hatte, rappelte er sich schneller wieder auf.

Der Schulbesuch hatte sich als zu stressig für ihn erwiesen. Deshalb kommt jetzt regelmäßig eine sehr nette Lehrerin zu ihm nach Hause. Das eingespielte Team der Kinderkrankenschwestern war teilweise sehr aktiv bei der Musiktherapie. Wir konnten gemeinsam erspüren, welche musikalischen Ausdrucksformen Benni bevorzugt und welche Hilfe er von uns dafür benötigt. Es ist so berührend, wenn er seine Stimme einsetzt und mit uns in einen musikalischen Dialog tritt. Auch die motorischen Impulse beim Spiel der Rassel sind für alle wundersame Höhepunkte. Die Musik schenkt ihm Freude.

Die ebenfalls sehr musikliebenden Kinderkrankenschwestern führen die kreativen und kommunikativen musikalischen Aktivitäten mit Ben weiter, wie sie  versprochen haben. Das tröstet mich ein wenig über den Abschied hinweg…"

Wir wünschen Ben und seiner Familie weiterhin so viel Stärke und sind sehr glücklich, Ben über so lange Zeit auf seinem Weg begleitet zu haben.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 16. Dezember 2015