Musiktherapie für Azra
Donnerstag, 10. Februar 2011

Azra kam 2007 als zweites Kind gesund zur Welt. Sie hat einen Bruder, mit dem sie vor dem Unfall viel Zeit verbrachte.

Im August 2009 verbrachte die Familie ihren Urlaub in der Türkei bei den Großeltern von Azra. Auf ungeklärte Weise fiel Azra der Flachbildschirmfernseher von einem niedrigen TV Tisch auf den Kopf. Azra's Mutter fand sie bewusstlos auf dem Boden mit einer Blutung am Kopf.

Kurz vor der Ankunft in der Klinik bemerkte die Familie, dass Azra nicht mehr atmete und sie einen Herzstillstand hatte. In der Klinik fand die Reanimation statt. Als sie in einem stabileren Zustand war, wurde sie mit dem ADAC Verlegungstransport nach Berlin in die Charite- Kinderklinik verlegt. Dort wurde lange Zeit versucht, sie von der Beatmung zu entwöhnen, was leider nicht gleich gelang. Sie erhielt einen Luftröhrenschnitt (Atemkanüle) und künstliche Ernährung. Viele Infektionen während des Klinikaufenthaltes führten zu Komplikationen. Zunehmende Lähmungen machten ihr zu schaffen, was dazu führte dass sie viele Medikamente benötigte.

Aufgrund zunehmender Komplikationen war wieder eine Narkose nötig. Darüber hinaus führte ein Stammhirninfarkt zu einer Gesichtslähmung. Nach langem Klinikaufenthalt wurde Azra zu weiteren Rehamaßnahmen in die Klinik Hohenstücken verlegt. Die Zeit dort war für Azra und ihre Familie sehr anstrengend, brachte aber gute Fortschritte.

Heute kann Azra nun über die Atemkanüle selbstständig atmen und wurde auf Drängen der Eltern kurz vor ihrem Geburtstag nach Hause entlassen. Die Familie hat ein gutes soziales Netz und alle sind bemüht, Azras Mutter bei der Pflege von Azra zu unterstützen. Die Kleinen Strolche tun dies durch regelmäßigen Kanülenwechsel und eine gelegentliche kurze Betreuung.

Von Januar 2011 bis Herbst 2014 erhielt Azra durch Helenes Helfer e.V. Musiktherapie. Unser Musiktherapeut berichtete regelmäßig über Azra's Fortschritte.

Update 01. August 2011 von unserem Musiktherapeuten:

"Azra wurde im Juni vier Jahre alt. Mit zwei Jahren und zwei Monaten hatte das kleine Mädchen einen schweren Unfall zu Hause. Sie konnte reanimiert werden. Seit dieser Zeit bemühen sich die Eltern, Verwandte, Freunde, Ärzte und Therapeuten darum, sie am Glück des Lebens teilhaben zu lassen. Durch die freundlichen Spenden und Mitgliedsbeiträge ist es dem Verein “Helenes Helfer” e.V. möglich, für Azra Musiktherapie zur Verfügung zu stellen. Azra scheint die Welt der musikalischen Phänomene zu lieben. Zupft man die Saiten des Monochords ruhig an, reagiert sie prompt mit einer Bewegung des Kopfes, als wolle sie wissen: “Wo kommen diese wundersamen Klänge her?”. Azra scheint inzwischen die Stimme des Therapeuten zu kennen und das musikalische Angebot zu genießen. Das Anfangs- und das Abschlusslied sind sc hon zum Ritual geworden. Ihre Bewegungsimpulse sind schon etwas. Erste Verbindungen zwischen gezielten musikalischen Reizen und Bewegungsansätzen sind angebahnt. Azra's Mutter ist sehr glücklich über die Möglichkeit der Musiktherapie und bedankt sich bei allen ganz herzlich für die Finanzierung."

Update Oktober 2011 von unserem Musiktherapeuten:

"Azra hat in den letzten drei Monaten einiges überstehen müssen. Immer wieder wurde der kleine Mensch von Infekten heimgesucht und dann passierte noch das Malheur mit dem Auge. Das linke Auge ist leider schon seit dem Unfall stark verletzt. Dem rechten Auge hat Azra durch eine unwillkürliche Bewegung eine große Verletzung der Hornhaut zugefügt. Zur Heilung musste das Auge teilweise zugenäht werden und Azra büßte dadurch einen großen Teil ihrer Orientierung ein. Sie fühlte sich durch diese Einschränkung so sehr gequält, dass ihr auch das musikalische Spiel keine Freude machen wollte. Aber die Hornhaut ihres Auges heilte viel schneller, als die Ärzte dachten und heute kann Azra die Menschen, die in ihrer Nähe sind schon wieder mit einem flinken freudigen Auge a nschauen.

Ihr neues altes Wohlbefinden machte sich auch sofort in ihrem Spielverhalten bemerkbar. Azra geht zeitweise gut in Kontakt über die Sprache der Musik. Hört sie schnelle Klänge, hat sie Lust ihren Arm im Takt zu bewegen. Sie scheint es sehr zu genießen, wenn sie auf alles, was sie tut eine prompte und stimmige musikalische Antwort bekommt. Das sind die Glücksmomente in der Therapie - wenn wir über die Musik eine Gemeinsamkeit spüren. Dann sind wir für einen kleinen Moment nicht mehr allein. Azra quittiert ihr Gefühl hin und wieder mit einem Lächeln."

Update Januar 2012

Azra macht kontinuierlich Fortschritte in ihrer Musiktherapie. Daher haben wir die Therapie um weitere sechs Monate verlängert. Unser Musiktherapeut berichtete im November:

"Azra macht wirklich kontinuierlich Fortschritte. Seit sie ihre Augenentzündung überstanden hat, ist sie viel aufmerksamer. Sie verfolgt z.B. bessser die Gegenstände vor ihrem Gesicht. Ich habe mich mit der Logopädin von Azra getroffen. Wir stimmen jetzt unsere Therapie besser aufeinander ab. Azra hat ja jetzt eine Sprechkanüle und es geht um die Anbahnng stimmlicher Entäußerung. Was Azra aber auch immer besser zur Verfügung steht, ist die willkürliche Motorik. Sie bewegt ihre Arme für wenige Augenblicke zum Rhythmus der Musik. Azra profitiert sehr von der Musiktherapie und die Zusammenarbeit mit den Schwestern und anderen Therapeuten ist sehr effektiv. Gerade jetzt, in wäre eine Fortführung der Musiktherapie sehr wichtig, gerade auch weil es so gut läuft. Eine Weiterbehandlung durch Musiktherapie für die nächsten sechs Monate wären sehr wertvoll für Azra."

Update Juni 2012

Unser Musiktherapeut berichtet:

"Azra wird im Juni fünf Jahre alt. Es ist schön zu sehen, wie sie gewachsen ist. Aber auch alle Sinne des hübschen Mädchens sind weiter erwacht. Schon durch die Geräusche an der Wohnungstür wird Azra aufmerksam. Sie dreht den Kopf und wenn sie meine Stimme vernimmt, gerät sie in freudige Erwartung. Ich begrüße sie und erzähl ihr, wo ich gerade her komme und wie es da draußen so ist. Aber Azra scheint ungeduldig zu werden. Sie will mir zurufen: "Spiel endlich Gitarre! Und spiel so laut du kannst. Ich will tanzen!". Damit trifft sie genau meinen Nerv, denn auch ich bin oft gerne sehr laut. Nachdem Azra sich in den Beat eingehört hat, beginnt sie mit dem linken Arm wild und ausgelassen zu dirigieren. Das geht manchmal fünf Minuten, ohne Intensität zu verlieren. Dann genießen wir beide die Ruhe einer Pause mit wundersamen Klängen der "Hapi" - Azras neue Entdeckung im faszinierenden Weltgarten der Musikinstrumente. Es gibt noch etwas neues, aufregendes in Azras Leben. Sie hat jetzt eine Sprechkanüle. Neben der Anstrengung der neuen Art zu atmen, ist sie überrascht von den neuen Möglichkeiten, mit dem Mund Geräusche zu produzieren: "Ist das wahr, Dass ich das gerade selbst gemacht habe?" "Ja, Azra, das warst du ganz alleine und du machst es sehr gut. Es macht uns Spaß, dich zu hören!" Azras Eltern, ihr großer Bruder, ihre Großeltern und alle, die sie betreuen und die sie kennen, freuen sich über ihre steten Fortschritte. Sie haben mich gebeten, allen Menschen, die die Musiktherapie für Azra finanzieren, herzlichen Dank zu sagen."

Update April 2013

Unser Musiktherapeut berichtet:

"Azra wird im Juni sechs Jahre alt. Das merkt man auch. Sie kann erstaunlich viel Kraft entwickeln. Als ich sie kennen lernte, konnte sie zwar schon mit kleinen Gesten signalisieren, dass ihr Musik gefällt, aber nun reagiert sie teilweise mit Händen und Füßen!

Besonders rhythmische Klänge verleihen Azra starke Bewegungsimpulse. Sie liebt es neuerdings, sich mit ihren Füßen so kräftig gegen meine Hände zu stemmen, dass sie mit ihrem Rollstuhl einen halben Meter zurück rollt. Je lauter ich das ganze stimmlich kommentiere, desto ausgelassener wird sie. Für dieses Spiel übertrifft ihre Ausdauer manchmal meine eigene…

Azra geht jetzt vier Tage in der Woche in die Kita. Sie mag es, von anderen Kindern umgeben zu sein. Allerdings ist sie danach auch sehr erschöpft von den vielen Reizen. Dann tut es ihr gut, bei den Klängen des Monochords einfach zu entspannen. Es kommt auch vor, dass sie dabei ganz ruhig wird und darüber einschläft. Vielleicht träumt sie dann von ihrem Brüderchen, der tatsächlich jeden Moment das Licht der Welt erblicken wird. Die Familie ist schon aufgeregt. Ein Umzug steht an, damit alle Großen und Kleinen genug Platz haben. Gerade jetzt sind Azras Eltern glücklich und dankbar für die kontinuierliche musiktherapeutische Behandlung."

Update Dezember 2013:

Unser Musiktherapeut berichtet:

"Azra konnte sich im vergangenen halben Jahr stabilisieren. Vermutlich tut es ihr auch gut, dass es dem kleinen Bruder sehr gut geht. Die Familie macht insgesamt einen entspannten Eindruck. Azra leidet nach wie vor an relativ schnell wiederkehrenden Infekten. Oft steht sie unter Antibiose. Allerdings scheint das Ihre Freude an der Musik in keiner Weiser einzuschränken. Ich habe es im letzten Halbjahr tatsächlich nur einmal erlebt, dass Azra auch während der Musiktherapie bedrückt wirkte und keine Lust zu haben schien, sich von den Klängen berühren zu lassen. Ihre winzig kleinen, aber doch spürbaren Fortschritte im motorischen Ausdruck konnte Azra bewahren. Es gelingt ihr zum Beispiel öfter, eigenständig die Rassel zu ergreifen, sie anzuheben und lustvoll zu den Akkorden der Gitarre zu bewegen. Das ist für uns alle eine große Freude. Azra hat dadurch eine Möglichkeit, ganz eigenwillig, ihre Lebenskraft und ihre Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen. Die Beziehung zu mir, ihrem Musiktherapeuten scheint sie als stabil und glücklich zu erleben. Es geschieht häufiger, dass Azra Tränen aus ihren wunderschönen Augen rollen, wenn ich mich von ihr verabschiede."

Aufgrund der guten Fortschritte, die Azra nicht zuletzt durch die von Helenes Helfern finanzierte Musiktherapie erzielen konnte und die es zu festigen gilt und wegen der für sie so wichtigen stabilen Beziehung - in der sie sich jenseits von jedem Leistungsanspruch eigenständig ausdrücken kann - führen wir die Musiktherapie für Azra für weitere mindestens sechs Monate fort.

Abschluss im November 2014:

"Azra geht seit diesem Herbst in die Schule! Wir freuen uns sehr, dass Azra jetzt in Begleitung einer Kinderkrankenschwester die erste Klasse der Helene–Haeusler–Schule Berlin, eine Schule mit sonderpädagogischem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ besucht.

Azra geht gerne zur Schule, wie mir die Mutter erleichtert berichtet. Sie genießt sehr das Zusammensein mit anderen Kindern und das vielfältige Angebot. Besonders interessiert ist sie an den kreativen musikalischen Aktivitäten. Das ist verständlich, denn dank „Helenes Helfer“ ist die Musik in den letzten Jahren immer ein wichtiger und verlässlicher Wegbegleiter gewesen. Durch die regelmäßige Musiktherapie konnte Azra ihre musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln und immer weiter differenzieren. Wir werden nicht vergessen, wie sie beim Erklingen der ersten Gitarrentöne sofort in Bewegung gerät, sich ihr Gesicht aufhellt und nur einen Wunsch hat: Ich will mitmachen, und zwar wild und ausdauernd!

Azra hat sich im letzten Jahr sehr gut stabilisiert. Wir können sie mit ruhigem Gewissen den nächsten Schritt in ihren neuen Lebensabschnitt machen sehen. Azra ist Schulkind und man sieht ihr die Freude über ihre neue Rolle deutlich an!

Wir und besonders Azras Familie danken allen Menschen, die eine langjährige Musiktherapie möglich gemacht haben. Wir wünschen Azra viel Glück, Freude und Gesundheit auf ihrem Weg.

Und natürlich immer ausreichend (laute, möglichst „handgemachte“) Musik um sie herum!"

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 16. Dezember 2015